halt

von der erde möcht ich berichten

diesem einzigartig blauen stern

 

dem steten wandel unterworfen

spendet sie den menschen sichren halt

 

den augenblick in dem sich findet

das altvertraute mit dem neuen

 

brücken von aug zu aug geschlagen

wecken tag für tag den morgen auf

 

 

 

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autobahn

ausgerollt der teppich einer zikade

zwischen zwei wegen hin und zurück

ist könig mit schwirrendem zepter

der nicht einhält mit seinem gesang

 

lastwagen schieben sich in ketten voran

wie wogen brausen wagen vorbei

pressen ein donnern in die zitternde luft

den aufheulenden übertönenden ton

 

machtlos zerschellt der mororenlärm

im gleisbett des unerschüttlichen zirpens

messerfein schneidet es sich eine schneise

die gras genannt wird und ursprünglicher weg

 

 

 

liebesgeschichte

frau p. ist an demenz erkrankt. sie war modedesignerin, hat gerne getanzt, theater gespielt. sie ist von ausgesuchter höflichkeit, drückt sich gewählt aus, ist sehr kommunikativ und  drückt sich gern sprachlich aus. sie bevorzugt männliche begleitung; begegnet ihr ein mann, der ihr sympathisch erscheint, so hält sie diesen gerne mal für „ihren mann“.

herr b. ist ebenfalls an demenz erkrankt.  er fuhr zur see und macht kein geheimnis daraus, dass er nicht viel von ehelicher treue aber sehr viel von beziehungen zu frauen hält. er ist immer noch recht beweglich. wenn er sich freut, hüpft er mit beiden beinen gleichzeitig einmal hoch und juchzt dabei.

herr b. und frau p. , die beide auf der gleichen etage eines seniorenheims leben, sind nun oft zusammen, halten sich in stiller eintracht die hand, sitzen aneinander gelehnt auf dem sofa.

sie haben sich gefunden.

 

 

statt wohnung

blanke wände sind in zwei zimmern mit spuren von efeu

darauf  gestrichne träume bringen die brandung in die stadt

die weiße gischt die eintaucht das alte verlorene sein

heimat das ist kein ort es ist nur ein wiedererkennen

 

mauerndurchkreuzende pflanzen verteiln mildes feuer

rotlichtiges lächeln dem brüchig stehenden mauerwerk

taufen sie im namen alter erinnrung  einem zuhaus

rufen vater und mutter herbei dem wesen das mensch heißt

 

krieg vor allem war es was war und jene bestimmte

die zuflucht fand in steinernen händen gesetzter ziegel

sie schwiegen lange erzählten endlich von dem was geschah

das machte dass geister namen bekamen und ein gesicht

 

sie begann zu verstehen und jemand zu werden die fortgeht

den rücken zukehrt diesen zweifeln die alles zerreißen

war das kind das durch gesammelte sprödigkeit watete

sandfarbene eltern lassen sie frei folgen dem efeu

 

 

minutenworten 3

gewalt steckt im wasser im wind in der nacht

im menschen in blumen im samen  im wort

im blick der ins innere trifft wie ein blitz

der einschlägt und umkehrt die angst zu leben

albumblatt

gold war das kalb schön die zeit die zeit

der verpulverten nashörner mensch

mensch unüberhörbar das schweigen

am tisch zittern blumengetränkte

versprochene völlig versprochne

sagenhaft großartige hauptrollen

machen sich hübsch für etikette

für frieden fortschritt bessre zukunft

maschinell getrocknete tränen

tränen schnüren den weg ab zum kopf

schnüren zusammen den weiten weg

 

 

 

 

bemerkenswert

hier ein eintrag in eigener sache… sehe gerade, dass ein post von mir einen blauen balken oben links bekommen hat, in dem mit weißer schrift steht: „bemerkenswert“.

„huch, wer war das?“ frage ich mich mit ahnungsvollem unbehagen – ist das etwa eine automatisierte voreinstellung der website? Ich war es jedenfalls nicht und ich werde eines tages, wenn ich lust dazu habe diesem „bemerkenswert“ den garaus machen – heute aber habe ich anderes vor – es ist schließlich sonntag 😉  einen frohen solchen wünsche ich allerseits – .

rotweiße blume