von der erde

es war einmal ein zweistromland

paradiesisch gelegen

keine touris nur die zwei

die auf mehr strom aus waren

wenn sie nicht gestorben sind

leben sie noch heute

 

 

 

 

 

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wunder tag

wundes wunder eine liebe

schläft lange schon den hundeschlaf

hundert jahre trüben’s wasser

mit einem süßen schweren wein

schwerer lider lange wimpern

tuschen nacht auf weiße laken

aus weißen feldern steigt ein kind

es kennt sein ziel doch nicht den weg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

so ein tag…

heute gibt es nichts zu sagen

die welt steht kreuz und quer

trotzdem flieht mir ein wort vom mund

ungelenk und inhaltsleer

 

ich glaub es ist der letzte tag

einer hoffnung aus granit

ich steh im sand und bin ein korn

mich nimmt das restchen hoffnung mit

 

 

 

 

 

raum

das im fahrstuhl stehende bett

darinnen liegt wer weiß wie weiß

die krone aus schnee ein gesicht

 

wände aus metall und das bett

ist modern es passt in den lift

nicht aber die fracht die es trägt

 

von mensch zu mensch von angesicht

zu angesicht es kann passiern

dass der raum eng wird oder weit

 

 

 

 

 

wiedersehen

er der die nacht wählte

der unruhig schlafenden

derer die ihn vergaßen

er ruft es aus das ende

kindlich fröhlich bestimmt

 

sein herz liegt auf der brust

mit regenbogenwand

wird klein wird groß es tanzt

das ist sein lebenspuls

nichts hält es in sich fest

 

wissend hebt er die hand

lädt ein zu einer rast

hinzuschaun auf den grund

der Du bist wer denn sonst

im gewand des nebels

 

 

 

 

 

 

 

 

suchtstoff aktuell

über gras wachsende köpfe träumen von tellern

liegeflächen des vornehm auserwählten salats

glücksofort machts möglich käufliche substanz

 

glücksofort hat auch seine braunen seiten schlag ein

mal nach was rassismus ist im namen der grillen

doch still höre den mähdrescher dreschen im sommer

 

musik in den ohren der schnellbrütenden köpfe

wurzellos schmarotzen und protzen sie mit sachen

wie verstand da passen grillen einfach nicht hinein

 

 

 

 

 

geleit

bewegung im dunkeln fein bricht ein frost die ader im blatt

schmerz macht sich süß für das wort auf der zunge es wird nicht falln

weiß friert eine spur zu der tür die offen schon steht der tod

naht nahtlos dem kommenden tag hebt seine stimme und spricht

 

vergessen ist kummer feuriges leid erinner den pfeil

sanft fallen wellen hinunter an ufer die klänge tragen

verstummender bäume es war einmal sommer leg nieder

den wurf ins blaue des himmels nimm auf den größeren sprung

 

 

 

 

schwalben

sprachgewand auf dem leib

federn bloß und kein papier

hab ihnen mal zugehört

in einem stall ich war kind

 

heute bin ich alt genug

ich kann mich wohl erinnern

überschwang im plauderton

selbstgebaut ihr haus aus lehm

 

ihr flug ist steter hafen

achterbahnhorizonte

stellen schrägen himmel auf

mahnmale der ungeduld

 

 

traumlos

traumlos die nächte

schlaf ist der bote

ersehnter träume

gibt tagen gesicht

sternenklar die nacht

graviert in ihr schwarz

die tiefe des alls

den steinbruch aus zeit

was soll ich schlafen

zu später stunde

mir bleibt noch ein traum

der wirklichkeit heißt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

lyrik am fließband

ständigen mondschein im manuskript

orten neunäugig hochsensibel

lyrikmaschinen den nerv der zeit

 

misch masch mischmasch

 

heute ist die dran die kaputt ist

es geht noch sie macht nur was sie will

schreibt dass sie keine maschine sei

 

misch masch mischmasch

 

und niemals am fließband platz fände

den gleichen wie vorher pantha rhei

was natürlich unnatürlich ist

 

misch masch mischmasch

 

echte menschen die lyrik schreiben

echte lyrik ja was das kostet

nerven und zeit das macht acht euro

 

misch masch zu gold

 

 

 

 

abgesang

trocken die trauer der blick ins zurück

sie war einst die seine wo ist sie hin

orpheus sucht ihren blick der sich schon senkt

eine falltür ist sie nimmt ihn hinein

 

ist das die frucht der erkenntnis der tod

der bitter am ende den vorhang zuzieht

oder fehlen der frau nur die worte

ein geständnis dass sie nicht geben kann

aufgegabelt

hängen an kotflügeln

zwei unzertrennt

lassen ihr licht leuchten

blinkwärts ins dunkel

im knirschen von kiefern

an  stoßstangen entlang

ein orangen wurf entfernt

von auto zu auto

dass die hupe ertönt

und auf zinnen erwacht

einzig der gedanke

er überholt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

fußnote

wohin gehen wenn das tor auf ist im einfall des lichtes

die sterne sich beugen verneigen den weg dorthin zeigen

(heimat sagt der matrose das ist nämlich auch so ein lied)

 

schneekristallräder drehen blumen die groß sind wie schaufeln

lassen es riesige feen schneien ihr schmelzen stimmt weich

alraunen mit kelchen zaubrer in welchen anhält die zeit

 

 

 

 

novembernacht

amselschwarze beere

hängt einsam im gestrüpp

neben weißer feder

und einem viertel mond

 

feucht und schwer ist die nacht

lischt aus den sternenglanz

licht von aug zu auge

der regen selbst verstummt

 

wasser rinnt an fenstern

macht aus perlen murmeln

aus einem atemzug

einen nebelhauch

 

 

 

herbst einer exilantin

am ende fremd bleiben

gehen mit einer zeit

die das draußen vergaß

den mond im kalten wind

 

gebastelte blätter

kleben demonstrativ

an sauberen fenstern

verweigern das welken

 

sie sitzt auf einem stuhl

hieß einst mutter natur

wird zärtlich belächelt

weil sie nach hause will

 

 

 

Nanü, ein Award für mich? Wo ich doch unlängst jemandem beteuerte, dass ich nicht mehr an Awards teilnehmen würde… – . Aber, wie das ab und zu mal so ist: Die Ausnahme bestätigt die Regel:
Ich bedanke mich bei der wunderbaren Maribey vom Blog „Findesatz“ für diesen Award, der wohl ursprünglich aus dem englischen Sprachraum kommt. Sounds like it, doesn’t it? Ich kopiere in meinen Text aus Maribeys Text das Folgende:

About The Mystery Blogger Award

 This is an award for amazing bloggers with ingenious posts. Their blog not only captivates, it inspires and motivates. They are one of the best out there, and they deserve every recognition they get. This award is also for bloggers who find fun and inspiration in blogging and they do it with so much love and passion. Okoto Oke Enigma is the creator of the award. To motivate the Blogger please do visit her blog.

Die Regeln:
Stelle das Logo in deinen Blog.
Danke der Person, die dich nominiert hat, und
füge einen Link zu ihrem Blog bei.
Nenne die Urheberin des Awards und
füge ebenfalls einen Link bei.
Erzähle den Lesern drei Dinge über Dich
Beantworte die gestellten Fragen.
Teile einen Link zu deinen besten Posts.
Stelle fünf Fragen deiner Wahl; eine davon sollte seltsam oder lustig sein.
Nominiere 10 bis 20 Personen
Informiere die Nominierten, indem du in ihrem Blog kommentierst.

So weit so gut. Das Kopieren ist hiermit abgeschlossen. Es geht lohos:

Drei Dinge über mich:

→ mein Lieblingsessen besteht aus gegrillten Auberginen
( = eine Gemeinsamkeit mit Pablo Neruda…) und
→ ich trinke nicht am liebsten aber regelmäßig… Kaffee und
→ ich kann keine Strümpfe stricken. Wirklich nicht.

Das war easy, aber einen Link teilen… uff… moooment.. meistbesternter Post war bisher:

ein Tag im August

… wobei es nicht die Sternchen sind, die mir was bedeuten, sondern diejenigen, die die Sternchen ausstreuen…

Und nun Maribeys fünf Fragen an mich

1. Wer bist Du (in einem Satz):
Supertramp: „… I don’t know who I am“ (logical song).
2. Was magst Du am Morgen besonders?
Keine Frage: Weiterschlafen… – aber ich tu’s eher weniger – und mag
natürlich die eigenartige Unberührtheit des neuen Tages, seine verhal-
tene Dynamik, die frische, von Bäumen und Pflanzen ausgehende Luft,
den Moment, den sich ein Vogel wählt, seinen Gesang zu beginnen / zu enden.
3. Was, findest Du, sollten wir Menschen häufiger machen?
Nichts. Nichts-machen wäre großartig. Würden bedeutende Menschen
mal öfter nichts machen, würde das wirklich viel ausmachen. Und da
nichts-machen außerordentlich schwer ist, empfehle ich (übrigens am
Meisten mir selbst) Schlafen und Träumen. Und da das ebenfalls nicht
so leicht im Alltag unzusetzen ist: neben sich stehen, sich die Hand auf
die Schulter legen und gelassen bleiben… – . Und Spielen. Spielen ist immer gut.
4. Welche Farbe hat Humor?
Schwarzer Humor hat immer auch etwas Paprika dabei; ist also rotgelbgrün angehaucht. Gelbem Humor fehlt die Milde eines weißen Humors, wie ihn so mache Bilderbuchfee haben sollte, aber nicht hat (ich erinnere an: die drei Wünsche… – die Sache mit der Bratwurst und der Nase…). Wäre ich Synästhetikerin, würde ich behaupten, er röche nach dunkeldunkel-roten Rosen… – also so r i c h t i g dunkelroten Rosen.
5. Weißt Du, welches die seltsame oder lustige Frage ist?
Im Moment bin ich gerade erwachsen, mir fällt nix ein. Überhaupt nix.
(Oder doch: Vielleicht: „Wie weit ist es bis zum Regenbogen?“… Hab ich mich als Kind ernsthaft und oft gefragt.)

Und nun geht’s ans No-mi-nie-ren. Haha… – 10 bis 20 Blogs… – Zur fortgeschrittenen Stunde mach ich das ganz fix mal klar … – Wer das hier liest, darf sich nominiert fühlen  – und wer von den Nominierten dann Lust hat, was zu schreiben: ja, dann … supi.. – die oder der ist dann auch noch Botin / Bote für den nächsten Award. Ein bisschen Geheimnis ist denn auch dabei.

Da war doch noch was. Meine fünf Fragen, hier… – da sind sie:

  1. Wie heisst das erste Gedicht, dass Dir im Leben begegnet ist – bzw, wovon handelt es?
  2. Was magst Du an einem Buch?
  3.  Wie weit ist es bis zum Regenbogen?
  4. Welcher Schauspielerin / Welchem Schauspieler schaust Du gerne zu?
  5. Was ist Langeweile?

Ps.: Ich sieze nicht, nicht weil ich das überflüssig finde, sondern, weil die meisten Bloggerinnen und Blogger meiner Erfahrung nach per Du verkehren. Ich schwimme da also mit dem Strom… mit stiller Sympathie für das höfliche Sie. Es güldet durch mein Du hinweg.

Dafür, dass ich sonst nur wenig Worte schreibe, habe ich jetzt seeeehr viel geschrieben. Zutiefst ermattet sinke ich nieder, mit den in allen Richtungen gepusteten Schreibfedern, mögen sie sich auf fremden Schreibtischen wiederfinden.

regenbo

 

 

 

 

in fahrt

auf einmal war da der zaun

der enger sich zog mit jedem schritt

sich eingrub in den me〈e〉hr werdenden sand

 

bald zieht die sonne ihre messer heraus

um ein ene mene tekel zu schreiben

manche meinen dies sei ein abzählreim

 

 

 

vier von ihnen

vor Deiner zeit

standen die buchstaben in reih und glied

sprangen manchmal in erdfarbne augen

machten sich mitunter klein und gedruckt

 

zu Deiner zeit

bekamen sie neues leben geschenkt

vier von ihnen zum beispiel trafen sich

fanden heraus zusammen sind sie baum

 

zu Deiner zeit

fallen blätter weht wind

hüllt Dich der winter mit schneedecken ein

lässt holz sammeln für wärmende feuer

 

vom weg abkommen

mit dem auto durch wald fahren

nicht anhalten und aussteigen

der mond zieht alle register

verformt sein rund auf schiefer bahn

 

in betracht ziehn anzuhalten

einmal nur aussteigen atmen

ein traum wie ein minutenschlaf

mit dem mond im gegenverkehr

kräne

wellen klatschen an rostiges stahl

von dock zu dock klingt’s fast monoton

wäre da nicht die stille gewalt

aufragender kräne ihr lied

 

teilt der wind aus an harte ufer

dünn werdende luft und einen kahn

der in die jahre gekommen ist

und sich ächzend durch die wellen kämmt

 

einsamkeit ausbreitend stehn sie da

schräge vögel die erstarrt im tanz

moos und rost ansetzen ein gewicht

das leben schenkt einen weichen zug

 

 

 

 

 

kummer

sag mir was es heißt zu leben

durstig bin ich und doch trunken

von alledem was mich umgibt

der schmerz im schönen ficht mich an

 

zieht seine klinge übers meer

leise blutet ein eisberg aus

ich hülle mich in cellophan

und singe ihm ein requiem

 

still

das einem menschen widerfahrende unrecht

wie es abprallt an wolken nebel und erde

ich sehe dich noch vor mir du winkst mich heran

sagst dass es dir nicht gut geht ich begreife nicht

 

bleib nur kurz hör auf besserwissende andre

die psyche ärger schlägt mir entgegen allein

du wusstest dass es der tod war der dich holte

ihn der dich kannte mit all deinem stolz und trotz

 

good bye alter mann mit dem stürmischen herzen

zähne zum trompetespielen hattest du nicht

aber jazz im blut auffahrende ungeduld

und tränen am klavier beim ave maria

 

 

 

nachtrag 14,Oktober:

 

 

 

 

 

 

 

 

feierabend

kalt bricht es aus den zimmern

verhaltene unordnung

legt sich in den weg wartet

aufs wandernde augenpaar

 

will wohl gemessen werden

und ihre muskeln zeigen

mit papierener schwere

mit zerissenem lächeln

 

der ofen will nicht brennen

draußen türmen sich wolken

schön ist ihr dunkel im licht

und klein das tägliche tun

 

 

vogelfrei

wie ich  in der Zeitung las, sind  die bei uns heimisch gewordenen Nandus inzwischen zum Abschuss freigegeben. Angeblich soll es zu viele von ihnen geben. Es begann so:

Es waren einmal zwei Hähne und vier Hennen, die lebten in Gefangenschaft. Da flohen sie zusammen – und sahen, dass es gut war. Lauter sattgrüne Wiesen. Genug Platz für alle.

Aber:

Hat wer schon mal von der blauflügeligen Ödlandschrecke gehört?

Diese seltene Heuschrecke steht unter Artenschutz. Nandus sind zwar zu ca 99% Vegetarier, aber was ist mit dem dunklen 1% ? Könnte da eine blauflügelige Ödlandschrecke mit dabei sein? Menschen wollen so etwas genau wissen.

Jene Nandus, die von einem Auto überfahren werden, landen größtenteils auf dem Seziertisch. Da wird nochmal nachgeguckt: Beispiel eines bisherigen Ergebnisses: 80% Rapsblätter, der Rest Beeren, Haselnüsse und Mais.

Born to be wild. Born to live.

25 Millionen Euro hat die Grünbrücke angeblich gekostet, die den Heuschrecken das Überqueren über die A20 ermöglichen sollen. Da wird aus Verdachtsmomenten schon mal schwelendes bis explodierendes Misstrauen. Wo es doch inwischen schon über fünfzig Nandus gibt.

Und wer weiß…  munkeln die Unken, wer weiß, wen sie noch alles auf dem Gewissen haben…

rückkehr

wunderbar weit dieser himmel sagen

zwei die sich verfehlen von mal zu mal

gestellt sind die weichen planetenbahnen

nichts wird passieren wenn sie sich kreuzen

 

wogende wellen deren ursprung sie sind

waren denn nichts bleibt außer der gewissheit

dass etwas zurückkehrt der glaube ans sein

im grunde des herzens gibt es nur nähe

cosmea

fein streckt sie ihre glieder

als ob sie nur flüchtig sei

schwanger mit dieser idee

fuss zu fassen im leben

 

als ob wider erwarten

zart im üppigen sich fand

der schmale grat das feine

frisch geschliffne morgenrot

 

 

 

 

 

ein tag im august

kühler der sommer in diesem jahr

lauter hoffnung auf etwas wärme

frierende eisverkäuferinnen

sehnen sich nach heißen kastanien

 

leer schwingen gondeln im riesenrad

umranden den unsichtbaren mond

tragen wünsche fort den augenblick

des aufgehoben-seins im moment

 

 

 

 

 

heute gedacht

demokratie ist ein eckiges wort

und es passt einfach nicht in ein gedicht

die poesie der demokratie sie

gibt es nicht was es gibt sind medien

 

medien das wird so genannt medien

trotz ihres poetischen potentials

üben sie sich in strenger askese

berichten von den dingen dass sie sind

 

das gedicht aber widmet sich dem wie

setzt worte quer lässt unverstandnes stehn

baut barrikaden auf dem schnellen strom

der vielen hingenommnen gedanken

sommermorgen

der himmel nimmt ein flugzeug mit

es inzwischen nicht mehr da

 

ein vogel spitzt seinen schnabel

schreibt mit ihm ein lied in die luft

die in sich schon das laue trägt

das macht den sommer endlich reif

 

endlich weit für diesen himmel

den es drängt sich hinzugeben

 

halt

von der erde möcht ich berichten

diesem einzigartig blauen stern

 

dem steten wandel unterworfen

spendet sie den menschen sichren halt

 

den augenblick in dem sich findet

das altvertraute mit dem neuen

 

brücken von aug zu aug geschlagen

wecken tag für tag den morgen auf

 

 

 

autobahn

ausgerollt der teppich einer zikade

zwischen zwei wegen hin und zurück

ist könig mit schwirrendem zepter

der nicht einhält mit seinem gesang

 

lastwagen schieben sich in ketten voran

wie wogen brausen wagen vorbei

pressen ein donnern in die zitternde luft

den aufheulenden übertönenden ton

 

machtlos zerschellt der mororenlärm

im gleisbett des unerschüttlichen zirpens

messerfein schneidet es sich eine schneise

die gras genannt wird und ursprünglicher weg

 

 

 

liebesgeschichte

frau p. ist an demenz erkrankt. sie war modedesignerin, hat gerne getanzt, theater gespielt. sie ist von ausgesuchter höflichkeit, drückt sich gewählt aus, ist sehr kommunikativ und  drückt sich gern sprachlich aus. sie bevorzugt männliche begleitung; begegnet ihr ein mann, der ihr sympathisch erscheint, so hält sie diesen gerne mal für „ihren mann“.

herr b. ist ebenfalls an demenz erkrankt.  er fuhr zur see und macht kein geheimnis daraus, dass er nicht viel von ehelicher treue aber sehr viel von beziehungen zu frauen hält. er ist immer noch recht beweglich. wenn er sich freut, hüpft er mit beiden beinen gleichzeitig einmal hoch und juchzt dabei.

herr b. und frau p. , die beide auf der gleichen etage eines seniorenheims leben, sind nun oft zusammen, halten sich in stiller eintracht die hand, sitzen aneinander gelehnt auf dem sofa.

sie haben sich gefunden.

 

 

statt wohnung

blanke wände sind in zwei zimmern mit spuren von efeu

darauf  gestrichne träume bringen die brandung in die stadt

die weiße gischt die eintaucht das alte verlorene sein

heimat das ist kein ort es ist nur ein wiedererkennen

 

mauerndurchkreuzende pflanzen verteiln mildes feuer

rotlichtiges lächeln dem brüchig stehenden mauerwerk

taufen sie im namen alter erinnrung  einem zuhaus

rufen vater und mutter herbei dem wesen das mensch heißt

 

krieg vor allem war es was war und jene bestimmte

die zuflucht fand in steinernen händen gesetzter ziegel

sie schwiegen lange erzählten endlich von dem was geschah

das machte dass geister namen bekamen und ein gesicht

 

sie begann zu verstehen und jemand zu werden die fortgeht

den rücken zukehrt diesen zweifeln die alles zerreißen

war das kind das durch gesammelte sprödigkeit watete

sandfarbene eltern lassen sie frei folgen dem efeu

 

 

minutenworten 3

gewalt steckt im wasser im wind in der nacht

im menschen in blumen im samen  im wort

im blick der ins innere trifft wie ein blitz

der einschlägt und umkehrt die angst zu leben

albumblatt

gold war das kalb schön die zeit die zeit

der verpulverten nashörner mensch

mensch unüberhörbar das schweigen

am tisch zittern blumengetränkte

versprochene völlig versprochne

sagenhaft großartige hauptrollen

machen sich hübsch für etikette

für frieden fortschritt bessre zukunft

maschinell getrocknete tränen

tränen schnüren den weg ab zum kopf

schnüren zusammen den weiten weg

 

 

 

 

bemerkenswert

hier ein eintrag in eigener sache… sehe gerade, dass ein post von mir einen blauen balken oben links bekommen hat, in dem mit weißer schrift steht: „bemerkenswert“.

„huch, wer war das?“ frage ich mich mit ahnungsvollem unbehagen – ist das etwa eine automatisierte voreinstellung der website? Ich war es jedenfalls nicht und ich werde eines tages, wenn ich lust dazu habe diesem „bemerkenswert“ den garaus machen – heute aber habe ich anderes vor – es ist schließlich sonntag 😉  einen frohen solchen wünsche ich allerseits – .

rotweiße blume

kreuzung

eines tages ist jetzt

wenn vergangnes sich kreuzt mit zukünftigem

einen alles überwindenden teppich webt

los bindet die herzverzehrenden fesseln

ist es nachts um eins

endlich geöffnet die tür aller richtung

schlafenszeit

starr stehen die türme von banken

mit spiegelnden fenstern blauem glas

fließende bänder zu ihren füßen

deren strom sich lichtet zum morgen

 

an ihren kanten bricht sich der wind

lauscht ihnen ab das unerhörte

den tanz der atome in beton

das wachsen des raumes von zeit zu zeit

 

 

what’s up

das sind die schnellen sommertage

unter üppigem grün fließt verkehr

ein verkanntes lächeln ruht sich aus

an einer eingefallnen wange

 

noch sind zeitungen auszutragen

verbrannten büchern zum trotz

am straßenrand liegt ein haufen fell

stromlos tot es war eine katze

mitgehört

sitzen drei zusammen schon älter schwerhörig

draußen unter einer jungen eiche

ich komme aus syrien

sagt der herr und nickt mit leiser freundlichkeit

sitzt neben ihm eine grauhaarige dame

ich komme auch aus thüringen

erwidert sie hocherfreut