im meer

im meer
immer im meer

bin ich mir grün
mehr oder weniger
bin ich meer
mehr nicht

 

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in fahrt

auf einmal war da der zaun

der enger sich zog mit jedem schritt

sich eingrub in den me〈e〉hr werdenden sand

 

bald zieht die sonne ihre messer heraus

um ein ene mene tekel zu schreiben

manche meinen dies sei ein abzählreim

 

 

 

vier von ihnen

vor Deiner zeit

standen die buchstaben in reih und glied

sprangen manchmal in erdfarbne augen

machten sich mitunter klein und gedruckt

 

zu Deiner zeit

bekamen sie neues leben geschenkt

vier von ihnen zum beispiel trafen sich

fanden heraus zusammen sind sie baum

 

zu Deiner zeit

fallen blätter weht wind

hüllt Dich der winter mit schneedecken ein

lässt holz sammeln für wärmende feuer

 

vom weg abkommen

mit dem auto durch wald fahren

nicht anhalten und aussteigen

der mond zieht alle register

verformt sein rund auf schiefer bahn

 

in betracht ziehn anzuhalten

einmal nur aussteigen atmen

ein traum wie ein minutenschlaf

mit dem mond im gegenverkehr

kräne

wellen klatschen an rostiges stahl

von dock zu dock klingt’s fast monoton

wäre da nicht die stille gewalt

aufragender kräne ihr lied

 

teilt der wind aus an harte ufer

dünn werdende luft und einen kahn

der in die jahre gekommen ist

und sich ächzend durch die wellen kämmt

 

einsamkeit ausbreitend stehn sie da

schräge vögel die erstarrt im tanz

moos und rost ansetzen ein gewicht

das leben schenkt einen weichen zug

 

 

 

 

 

kummer

sag mir was es heißt zu leben

durstig bin ich und doch trunken

von alledem was mich umgibt

der schmerz im schönen ficht mich an

 

zieht seine klinge übers meer

leise blutet ein eisberg aus

ich hülle mich in cellophan

und singe ihm ein requiem

 

still

das einem menschen widerfahrende unrecht

wie es abprallt an wolken nebel und erde

ich sehe dich noch vor mir du winkst mich heran

sagst dass es dir nicht gut geht ich begreife nicht

 

bleib nur kurz hör auf besserwissende andre

die psyche ärger schlägt mir entgegen allein

du wusstest dass es der tod war der dich holte

ihn der dich kannte mit all deinem stolz und trotz

 

good bye alter mann mit dem stürmischen herzen

zähne zum trompetespielen hattest du nicht

aber jazz im blut auffahrende ungeduld

und tränen am klavier beim ave maria

 

 

 

nachtrag 14,Oktober:

 

 

 

 

 

 

 

 

feierabend

kalt bricht es aus den zimmern

verhaltene unordnung

legt sich in den weg wartet

aufs wandernde augenpaar

 

will wohl gemessen werden

und ihre muskeln zeigen

mit papierener schwere

mit zerissenem lächeln

 

der ofen will nicht brennen

draußen türmen sich wolken

schön ist ihr dunkel im licht

und klein das tägliche tun

 

 

vogelfrei

wie ich  in der Zeitung las, sind  die bei uns heimisch gewordenen Nandus inzwischen zum Abschuss freigegeben. Angeblich soll es zu viele von ihnen geben. Es begann so:

Es waren einmal zwei Hähne und vier Hennen, die lebten in Gefangenschaft. Da flohen sie zusammen – und sahen, dass es gut war. Lauter sattgrüne Wiesen. Genug Platz für alle.

Aber:

Hat wer schon mal von der blauflügeligen Ödlandschrecke gehört?

Diese seltene Heuschrecke steht unter Artenschutz. Nandus sind zwar zu ca 99% Vegetarier, aber was ist mit dem dunklen 1% ? Könnte da eine blauflügelige Ödlandschrecke mit dabei sein? Menschen wollen so etwas genau wissen.

Jene Nandus, die von einem Auto überfahren werden, landen größtenteils auf dem Seziertisch. Da wird nochmal nachgeguckt: Beispiel eines bisherigen Ergebnisses: 80% Rapsblätter, der Rest Beeren, Haselnüsse und Mais.

Born to be wild. Born to live.

25 Millionen Euro hat die Grünbrücke angeblich gekostet, die den Heuschrecken das Überqueren über die A20 ermöglichen sollen. Da wird aus Verdachtsmomenten schon mal schwelendes bis explodierendes Misstrauen. Wo es doch inwischen schon über fünfzig Nandus gibt.

Und wer weiß…  munkeln die Unken, wer weiß, wen sie noch alles auf dem Gewissen haben…

rückkehr

wunderbar weit dieser himmel sagen

zwei die sich verfehlen von mal zu mal

gestellt sind die weichen planetenbahnen

nichts wird passieren wenn sie sich kreuzen

 

wogende wellen deren ursprung sie sind

waren denn nichts bleibt außer der gewissheit

dass etwas zurückkehrt der glaube ans sein

im grunde des herzens gibt es nur nähe

cosmea

fein streckt sie ihre glieder

als ob sie nur flüchtig sei

schwanger mit dieser idee

fuss zu fassen im leben

 

als ob wider erwarten

zart im üppigen sich fand

der schmale grat das feine

frisch geschliffne morgenrot

 

 

 

 

 

ein tag im august

kühler der sommer in diesem jahr

lauter hoffnung auf etwas wärme

frierende eisverkäuferinnen

sehnen sich nach heißen kastanien

 

leer schwingen gondeln im riesenrad

umranden den unsichtbaren mond

tragen wünsche fort den augenblick

des aufgehoben-seins im moment

 

 

 

 

 

heute gedacht

demokratie ist ein eckiges wort

und es passt einfach nicht in ein gedicht

die poesie der demokratie sie

gibt es nicht was es gibt sind medien

 

medien das wird so genannt medien

trotz ihres poetischen potentials

üben sie sich in strenger askese

berichten von den dingen dass sie sind

 

das gedicht aber widmet sich dem wie

setzt worte quer lässt unverstandnes stehn

baut barrikaden auf dem schnellen strom

der vielen hingenommnen gedanken

sommermorgen

der himmel nimmt ein flugzeug mit

es inzwischen nicht mehr da

 

ein vogel spitzt seinen schnabel

schreibt mit ihm ein lied in die luft

die in sich schon das laue trägt

das macht den sommer endlich reif

 

endlich weit für diesen himmel

den es drängt sich hinzugeben

 

halt

von der erde möcht ich berichten

diesem einzigartig blauen stern

 

dem steten wandel unterworfen

spendet sie den menschen sichren halt

 

den augenblick in dem sich findet

das altvertraute mit dem neuen

 

brücken von aug zu aug geschlagen

wecken tag für tag den morgen auf

 

 

 

autobahn

ausgerollt der teppich einer zikade

zwischen zwei wegen hin und zurück

ist könig mit schwirrendem zepter

der nicht einhält mit seinem gesang

 

lastwagen schieben sich in ketten voran

wie wogen brausen wagen vorbei

pressen ein donnern in die zitternde luft

den aufheulenden übertönenden ton

 

machtlos zerschellt der mororenlärm

im gleisbett des unerschüttlichen zirpens

messerfein schneidet es sich eine schneise

die gras genannt wird und ursprünglicher weg

 

 

 

liebesgeschichte

frau p. ist an demenz erkrankt. sie war modedesignerin, hat gerne getanzt, theater gespielt. sie ist von ausgesuchter höflichkeit, drückt sich gewählt aus, ist sehr kommunikativ und  drückt sich gern sprachlich aus. sie bevorzugt männliche begleitung; begegnet ihr ein mann, der ihr sympathisch erscheint, so hält sie diesen gerne mal für „ihren mann“.

herr b. ist ebenfalls an demenz erkrankt.  er fuhr zur see und macht kein geheimnis daraus, dass er nicht viel von ehelicher treue aber sehr viel von beziehungen zu frauen hält. er ist immer noch recht beweglich. wenn er sich freut, hüpft er mit beiden beinen gleichzeitig einmal hoch und juchzt dabei.

herr b. und frau p. , die beide auf der gleichen etage eines seniorenheims leben, sind nun oft zusammen, halten sich in stiller eintracht die hand, sitzen aneinander gelehnt auf dem sofa.

sie haben sich gefunden.

 

 

statt wohnung

blanke wände sind in zwei zimmern mit spuren von efeu

darauf  gestrichne träume bringen die brandung in die stadt

die weiße gischt die eintaucht das alte verlorene sein

heimat das ist kein ort es ist nur ein wiedererkennen

 

mauerndurchkreuzende pflanzen verteiln mildes feuer

rotlichtiges lächeln dem brüchig stehenden mauerwerk

taufen sie im namen alter erinnrung  einem zuhaus

rufen vater und mutter herbei dem wesen das mensch heißt

 

krieg vor allem war es was war und jene bestimmte

die zuflucht fand in steinernen händen gesetzter ziegel

sie schwiegen lange erzählten endlich von dem was geschah

das machte dass geister namen bekamen und ein gesicht

 

sie begann zu verstehen und jemand zu werden die fortgeht

den rücken zukehrt diesen zweifeln die alles zerreißen

war das kind das durch gesammelte sprödigkeit watete

sandfarbene eltern lassen sie frei folgen dem efeu

 

 

albumblatt

gold war das kalb schön die zeit die zeit

der verpulverten nashörner mensch

mensch unüberhörbar das schweigen

am tisch zittern blumengetränkte

versprochene völlig versprochne

sagenhaft großartige hauptrollen

machen sich hübsch für etikette

für frieden fortschritt bessre zukunft

maschinell getrocknete tränen

tränen schnüren den weg ab zum kopf

schnüren zusammen den weiten weg

 

 

 

 

bemerkenswert

hier ein eintrag in eigener sache… sehe gerade, dass ein post von mir einen blauen balken oben links bekommen hat, in dem mit weißer schrift steht: „bemerkenswert“.

„huch, wer war das?“ frage ich mich mit ahnungsvollem unbehagen – ist das etwa eine automatisierte voreinstellung der website? Ich war es jedenfalls nicht und ich werde eines tages, wenn ich lust dazu habe diesem „bemerkenswert“ den garaus machen – heute aber habe ich anderes vor – es ist schließlich sonntag 😉  einen frohen solchen wünsche ich allerseits – .

rotweiße blume

kreuzung

eines tages ist jetzt

wenn vergangnes sich kreuzt mit zukünftigem

einen alles überwindenden teppich webt

los bindet die herzverzehrenden fesseln

ist es nachts um eins

endlich geöffnet die tür aller richtung

schlafenszeit

starr stehen die türme von banken

mit spiegelnden fenstern blauem glas

fließende bänder zu ihren füßen

deren strom sich lichtet zum morgen

 

an ihren kanten bricht sich der wind

lauscht ihnen ab das unerhörte

den tanz der atome in beton

das wachsen des raumes von zeit zu zeit

 

 

what’s up

das sind die schnellen sommertage

unter üppigem grün fließt verkehr

ein verkanntes lächeln ruht sich aus

an einer eingefallnen wange

 

noch sind zeitungen auszutragen

verbrannten büchern zum trotz

am straßenrand liegt ein haufen fell

stromlos tot es war eine katze

mitgehört

sitzen drei zusammen schon älter schwerhörig

draußen unter einer jungen eiche

ich komme aus syrien

sagt der herr und nickt mit leiser freundlichkeit

sitzt neben ihm eine grauhaarige dame

ich komme auch aus thüringen

erwidert sie hocherfreut